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CLAUDIA
MÜLLERS TRIKOTLUPFER
Die Europameisterschaft
2001 in Deutschland war auch sensationell. Mein jüngerer Bruder
aus den USA kam extra zu Besuch und auch meine Mutter sowie Freunde
sind mitgereist. Das war schon eine tolle Sache. Alle waren dann
auch beim Endspiel in Ulm. Es hat die ganze Zeit aus allen Wolken
geschüttet, aber das Stadion war voll und die Zuschauer haben uns
die ganze Zeit angefeuert. Ich muss heute noch lachen, wenn ich
an das Golden Goal von Claudia Müller denke, das war sensationell.
Wie sie ihr Trikot hoch zieht und es nicht gleich wieder herunter
bekommt. Das passte irgendwie, das war ein unglaublicher Moment.
Im Endspiel
wurde ich wieder zur besten Spielerin gewählt.
Maren (Meinert)
und Doris (Fitschen) haben ja dann auf der Pressekonferenz offiziell
ihren Rücktritt verkündet. Auch ich hatte mich inoffiziell und innerlich
bereits verabschiedet. Aber ich habe nichts gesagt, weil ich noch
so im Freudentaumel war. Ich wollte meinen Abgang einfach nicht
mit diesem Endspiel verknüpfen. Ich empfand mich auch nicht so wichtig,
als das ich diese hätte tun müssen. Ich habe dann aufgehört, zwei
Jahre in den USA genossen und Erfahrungen in der Profiliga WUSA
gesammelt. Dann bin ich zur WM 2003 nach Deutschland zurückgekommen.
DIE
BITTERE VERLETZUNG BEI DER WM 2003
Ich bin der
Meinung, dass wir vom Teamgeist her bei dieser Weltmeisterschaft
die stärkste Mannschaft hatten. Dabei haben wir uns am Anfang schwer
getan. Nicht nur gegen Kanada, sondern auch gegen Japan. Danach
haben wir uns aber nach dem Argentinien-Spiel in einen Rausch gespielt.
Gegen Argentinien
ist es passiert. Ich habe sofort gemerkt, dass es schlimmer war.
Es war viel zu schmerzhaft, als dass es nur eine Lappalie hätte
sein können. Alle sagten, das kann nicht möglich sein, denn ich
habe 15 Jahre auf hohem Niveau gespielt und nie eine große Verletzung
gehabt. Keiner wollte es deswegen wahr haben, doch es war ein Kreuzbandriss.
So eine Verletzung
stärkt einen entweder oder sie zieht einen runter. Was ich schön
fand, war, dass Mia Hamm und Abby Wambach mich auf dem Weg ins Krankenhaus
angerufen haben. Sie hatten im Fernsehen gesehen, dass ich mich
verletzt hatte und es wohl etwas Schlimmeres war. Sie wünschten
mir alles Gute. Das war eine tolle Geste, dass sie sich extra gemeldet
haben. Als ich vom Hotel abreisen musste, kamen auch alle anderen
Spielerinnen und wünschten mir nur das Beste.
Über die Jahre
hat sich zwischen den Mannschaften eine Freundschaft entwickelt.
Meine Teamkolleginnen haben mich auch im Krankenhaus angerufen und
mir gesagt, dass sie den Pott holen werden. Sie wollten mich ja
auch wieder in die USA einfliegen lassen, aber ich musste gleich
operiert werden, weil die Zeit ja wegen Olympia 2004 drängte.
Zurück zum Sportlichen:
Wir hatten bei dieser WM Spielerinnen dabei, die die anderen Mannschaften
einfach nicht auf der Karte hatten. Kerstin Garefrekes hat einfach
alle platt gespielt und Maren hat Dinge drauf, die einfach nur Spaß
machen. Sie war eine geniale Fußballerin und es war schön, sie als
Mitspielerin zu haben. Sie war so torgefährlich und genauso wie
Bettina Wiegmann war sie bescheiden, obwohl sie Weltklasse waren.
Ich fühle mich aber nicht richtig als Weltmeister, wie die anderen.
Natürlich war ich ein Teil der Mannschaft, aber ich kann nicht mit
der Medaille herumrennen und sagen, ich bin Weltmeister. Es wäre
anders gewesen, wenn ich nicht schon in der Vorrunde ausgefallen
wäre.
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